Bild: nachdenklicher MannBrauche ich eine Sexualberatung oder doch eine Sexualtherapie? Wie erkenne ich was wann nötig ist? Sexualmedizin macht die Verwirrung perfekt. Der wichtigste Unterschied zwischen Therapie (=Behandlung) und Beratung (Coaching) ist wohl die Dauer und Schwere der Beeinträchtigung. Auch die Motivation, wie tief/weit sich wer mit einem Thema beschäftigen mag spielt eine wichtige Rolle. Eine leichte Beeinträchtigung kann mit ein paar Tipps Erleichterung finden, ein lange währendes Leiden braucht mehr. Willkommen zum ersten Kurzartikel in liebesleid.at der online Sexualberatungsseite!

 

Sexualberatung Sexualtherapie Sexualmedizin
leichte Störungen, gelegentliche Erektionsprobleme, zu früh/zu lang/zu kurz, die Beziehung beleben, Körper besser spüren langwährende sexuelle Probleme mit Erektion, Vaginismus, Schmerzen beim Sex, langzeitig fehlende Lust, Orgasmus fehlt, Ängste, Traumata, chronische Beziehungsprobleme, Gewalterfahrung Hormonstörungen, Prostata, Fruchtbarkeit, Verhütung, postoperative Probleme wie z.B.Folgen von Krebserkrankung, Vorsorgemedizin
     
2-5 Stunden bei Bedarf 3-10 und mehr regelmäßige Therapiestunden Beratungsgespräche 1x monatlich
     
Gespräch, Anleitung Gespräch, Anleitung Gespräch, Medikation
     
Lebens- und SozialberaterIn, Psychologen mit Sexualberatung als Zusatzqualifikation eigentragene PsychotherapeutIn mit Sexual- und paartherapeutischer Zusatzqualifikation ÄrztIn (Facharzt Uro/Andro/Gyn Ausbildung)und Zusatzqualifikation in Sexualmedizin
     
private Verrechnung teils auf Kasse und privat bei WahlarztIn privat

Unterschiedliche Indikationen brauchen unterschiedliche Interventionen in 6 Szenen.

 

Beispiel Nr.1:

Nehmen wir den sehr häufigen Fall einer Erektionsstörung beim jungen Mann. Die Störung hat er erst seit zwei Monaten und sie wirkt sich auf sein Selbstvertrauen und die Beziehung aus. Die Partnerin ist aber kooperativ und macht keinen Druck, der junge Mann geht am besten zu einer Sexualberatung. Dort erfährt er vielleicht Neues über die männliche Sexualität, fühlt sich dann sicherer und alles ist wieder gut. Oder beide kommen für 2-3 Stunden in eine Paarberatung um das Zusammenspiel beim Sex entspannter zu gestalten. Möglicherweise erhält der Mann auch Anleitungen zum Üben zu Hause.

Beispiel Nr.2:

Die junge Frau hat nach Einnahme der Pille massive Probleme mit dem Lustempfinden oder sie ist reizbarer als sonst - unmotiviert weint sie oft. Sie wird sich entweder an ihre Gynäkologin (mit sexualmedizinischer Kompetenz) wenden oder auch zur Sexualberatung gehen, wo über alternative nicht-hormonelle Verhütungsmethoden gesprochen wird. Sie wird bestärkt, auf ihren Körper zu hören. Wenn sonst keine Belastungen im Hintergrund stehen wird alles wieder bald gut sein. Um andere Belastungsgründe auszuschließen könnte die Frau auch in der Psychotherapie vorstellig werden.

Beispiel Nr.3:

Die Person klagt darüber, noch nie einen Orgasmus erlebt zu haben. In mehreren Beziehungen war dies bereits ein Problem. Sie lässt einen Hormonstatus beim Facharzt/ärztin machen - alles unauffällig. Daher führt der Weg zum/zur SexualtherapeutIn, der/die mit ihr erforscht, welchen Bezug die Person zu ihrem Körper hat, wie die Beziehungsmuster waren. Es kommt heraus, dass massive psychische Verletzungen vorliegen. Daran wird nun in den Therapiestunden gearbeitet. Hilfreich stellt sich heraus, dass der/die SexualtherapeutIn auch Erfahrung mit Traumabehandlung hat. Ergänzend gibt es später Anleitungen, die ihr wieder mehr Sicherheit mit ihrem Körper und in sich geben.

Beispiel Nr.4:

Der Mann klagt darüber, dass er mit PartnerIn nur mehr geschwisterlich zusammenleben. Es ist beiden die Lust vergangen. Er hilft sich mit Pornokonsum, das erfährt die PartnerIn und ist gekränkt. Eine verfahrene Lage. Lust auf einander gibt es kaum mehr. DHier führt der Weg in die Paar- und Sexualtherapie. Die Begegnungsqualität in der Beziehung braucht Anregung. Alter Ärger gehört geklärt. Ein Neustart will unterstützt werden. Und daneben müssen die beiden erst lernen, über alles mögliche (auch über ihre Sexualität) zu reden.

Beispiel Nr. 5:

Die Frau ist in den Wechseljahren angekommen. Sex macht nicht mehr so viel Freude, es schmerzt oder brennt. Sie geht zu ihrer Gyn und läßt sich beraten. Sie wird dort hoffentlich ermuntert, dass nun die goldenen Jahre kommen. Unbekümmert Sex haben, ohne Verhütungsthema. Hormonell braucht sie vielleicht leichte Unterstützung, es gibt Phytohormone, eventuell auch eine Salbe für die nun weniger gut durchblutete Schleimhaut in der Vagina. Aber wichtig ist wohl die Ermutigung - Sex ist bis ans Lebensende möglich und wünschenswert. Um auch den Partner mit hereinzuholen könnten die beiden eine kurzzeitige Paarberatung oder - therapie aufsuchen. So lernt der Partner das Problem verstehen und Rücksicht darauf zu nehmen, ohne sich durch Sexmangel gekränkt fühlen zu müssen.

Beispiel Nr. 6:

Eine Person erlebt in Langzeitbeziehungen immer wieder ein ähnliches Phänomen. Nach 2-3 Jahren vergeht die sexuelle Lust. Bis jetzt war der Umgang damit so, daß die jeweilige Beziehung verlassen wurde und die Person eine Zeit alleine lebte. Bis der Fall wieder eintrat. Diess ist ein Beispiel für die Entscheidung a.) schnelle Beratung zur "Wiederankurbelung der Lust mit Wiederholungsgefahr" oder b.) sich Zeit nehmen, um diesem speziellen Beziehungsmuster im Rahmen einer Sexualtherapie tiefer auf den Grund zu gehen. Schließlich gibt es gute Gründe zur Veränderung (Kinderwunsch, selbst älter werden), weil sonst sind wichtige Lebensperspektiven nicht umsetzbar sind. Ein typisches Beispiel für Sexualtherapie / Psychotherapie. Worum wird es gehen? (frühe) Beziehungserfahrungen, Körperbezug, aktuelle Partnerschaft, etc.

 

Wann nehme ich online-Sexualberatung in Anspruch und wann gehe ich zu einem persönlichen Sexualberatungsgespräch?

ONLINE-BERATUNG: Wenn ich aus zeitlichen | mobilitätsbedingten |gesundheitlichen Gründen nicht persönlich zur Beratung kommen kann. Ebenso, wenn es mir sehr schwer fällt, weil ich mich schäme und vielleicht für intime Themen einen sicheren Abstand brauche. Oder weil ich den Berater/Therapeuten erst einmal "beschnuppern" möchte. Corona kann auch ein wichtiger Grund sein.

 

PERSÖNLICHE BERATUNG: Persönlich werden Sie es nach wenigen Minuten genießen und erleichternd finden, weil Sie endlich Ihre Sorgen mit einem menschlichen Gegenüber teilen können. Bei einer persönlichen Beratung ist ein MEHR an Begegnung möglich, weil auch die non-verbale Ebene unmittelbar mit dabei ist. Körpersprache ist wichtig.

 

 


Wer darf behandeln (=Therapie anbieten) und wer beraten? Grundsätzlich dürfen nur ÄrztInnen + (Psycho)therapeutInnen behandeln. Im Vergleich der Psycho-Berufe stellt sich die gleiche Frage. Eine sehr anschauliche website erklärt den Unterschied der Psychoberufe (https://focus-arztsuche.de/magazin/therapien/unterschied-psychologe-psyc...).